Alice im Wunderland

Alice im Wunderland

April 5, 2010 in Movie Leave a reply

Die Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland manifestieren sich teilweise dort, wo man sie nicht erwartet.
  • Letzte Woche Sonnabend, 3h vor Vorstellungsbeginn, Website vom Cinestar Düsseldorf: Drei versprengte Einzelplätze am Rand waren noch frei.
  • Gestern, Ostersonntag, 42 Minuten vor Vorstellungsbeginn, Foyer vom Cinestar Leipzig: “Wo wollen sie denn sitzen? Wir hätten da noch zwei Kuschelsitze, genau in der Mitte…”

In beiden Fällen ging es um “Alice im Wunderland”, den neuen Film von Tim Burton.

Nachdem ich gute Kritiken gehört hatte, wir keine Lust auf das zigste Animationsspektakel hatten (“Drachenzähmen leicht gemacht”), “Agora” nicht im Cinestar und der “Kampf der Titanen” noch gar nicht lief wurde es dann doch die “Alice”.

Ich kenne nur die Fabel der ganzen Geschichte, Kaninchen, rote und weiße Königin, Spielkarten als Diener etc. Dermaßen unvorbereitet gingen wir in den Film.

Der Anfang zieht sich etwas. Alice ist inzwischen knapp 20 und soll mit einem ihr nicht gefallenden Typen verheiratet werden. Von seinem Heiratsantrag zieht sie sich mit einem knappen “Ich muß mir das überlegen” zurück, läuft dem Kaninchen hinterher und fällt in seinen Bau.

Dort angekommen denkt sie eine ganze Weile, sie träumt. Langsam bekommt sie mit, daß es kein Traum ist, sondern daß sie hier unten ist, um eine besondere Aufgabe zu erledigen: Nämlich den Jabberwocky, das fiese geflügelte Haustier der Roten Königin, zu erledigen. Dabei helfen ihr der Hutmacher (Johnny Depp), Cheshire Cat (im englischen gesprochen von Stephen Fry, aber auch im deutschen sehr cool), die Weiße Königin (schön verpeilt: Anne Hathaway) und einige andere, illustre, digitale Gesellen. Auf der Seite des Feindes glänzt Helena Bonham Carter als Rote Königin.

Am Anfang ist man von den ganzen Figuren, ihren abgedrehten Verhaltensweisen und seltsamen Ausdrücken etwas überfordert. Der Mischmasch aus Deutsch und Englisch tut dem Ganzen ebenfalls nicht gut. Nach einer Weile weiß man, wer gut und wer böse ist und ist halbwegs orientiert.

Dann geht weiter auf einer krachbunten Reise durch die verschiedenen Stationen von Untenland. Ich fand es Popcornkino im eigentlichen Sinne: Hinsetzen und die bunten Bilder genießen. Man sieht das Schloß der Roten Königin, das der Weißen, die Mühle des Hutmachers, kleine Gags wie den Baum aus Sleepy Hollow und die Figuren aus Edward mit den Scherenhänden und jede Menge verrückte Wesen. Diese Figuren sind sehr liebevoll animiert, trotzdem wirkt die ganze Welt etwas steril. Am Ende besiegt Alice natürlich den Jabberwocky und kehrt in ihre Welt zurück.

Die 3D-Technik fand ich hier erstmals etwas etwas deplatziert. Nachdem zum wiederholten Mal eine Tasse durch den Raum fliegt oder eine Wache seine Lanze in die Zuschauer sticht hatte ich diesen Effekt auch langsam satt. Zudem man nichts machen kann: Man zuckt zusammen und schließt die Augen. Auch war es der erste Nicht-Animationsfilm, den ich in 3D gesehen habe. Ich hatte teilweise das Gefühl, daß man nur zwei Ebenen zur Verfügung hat: Einen Hintergrund mit Gegend und einen Vordergrund, in dem meist die Schauspieler standen. Auch selektiert die Kamera über die Schärfe das, was man sich ansehen soll. Wenn man gerade mal woanders hingucken will, keine Chance. Ein wirklich toller 3D-Effekt war ausgerechnet der Abspann: Um den Text herum war ein nachgebildetes Gitter, welches über mehrere Minuten ganz langsam mit Pilzen und anderen Pflanzen zuwuchs. Das sah wirklich toll aus.

Ich hätte mir ehrlich gesagt mehr erwartet. Auf einer Skala von 1-10 würde ich dem Film eine 6-7 geben. Es ist nicht so, daß man ihn noch lange im Hinterkopf hat. Auch würde ich ihn mir im Fernsehen nur ansehen, wenn nichts besseres kommt.

Years before, on this day...

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